Abrechnung

Wir alle bekommen unser Geld von irgendjemandem. Vom Chef, vom Amt oder von Mutti. Wenn wir Pech haben, wollen

sie sogar wissen, was wir mit diesem Geld machen. Sie verlangen Belege, Auszüge und Quittungen. Sie zwingen uns dazu, Buch zu führen. Aber Buchhaltung ist wie alles im Leben Auslegungssache. Um unsere Ausgaben plausibel zu machen, müssen wir sie in nachvollziehbare Kategorien einordnen. Mutti macht das auch und damit fangen die Probleme an. Der größte Ordner, in dem unsere Quittungen bei ihr landen, heißt „Ausgaben, die es so niemals hätte geben dürfen“. Gut, solche Sachen wie Miete oder Strom lässt sie durchgehen, aber schon eine Pizza beim Italiener läuft unter „unglaubliche Bewirtungskosten“. Alles was über Schmierseife und Wurzelbürste hinausgeht findet als Reinigungsmittel keine Anerkennung. Die Personalkosten für eine Putzhilfe werden vom Tisch gefegt wenn man zwei gesunde Hände vorweisen kann. Und seit das Telefon keine Wählscheibe mehr hat, werden entstehende Rechnungen unter „Unterhaltungselektronik“ verbucht. Die Rechnungen selbst müssen bis zum natürlichen Verfall des Papiers aufbewahrt werden. Deshalb gehört zu jeder ernsthaften Buchhaltung ein gut belüftetes Archiv. Wenn allerdings Belege, Auszüge und Quittungen unvollständig oder einfach nicht da sind, kracht das Kartenhaus zusammen. Jetzt ist Kreativität gefragt oder eine grundlegende Umgestaltung des Systems. Den jährlichen Wasserschaden in den Archivräumen glaubt einem irgendwann keiner mehr.

 

Axel Hentschel

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