Abschied

Gestorben ist er mit 43 Jahren. Ist das ein gutes Alter für einen Alkoholiker? Wäre da mehr drin gewesen in diesem Leben?

Offenbar hatte er selbst nicht mehr daran geglaubt. Die, die ihn kannten, stellen sich nun Fragen. Fragen wie „ Warum habe ich nichts gesehen?“ oder „Hätte er doch nur mal was gesagt.“. Ich kannte ihn sieben Jahre und habe nichts bemerkt. Es gab in seinem Leben Höhen und Tiefen, Erfolge und Rückschläge. Stets hatte ich aber den Eindruck, der berappelt sich schon, der kommt schon klar. Ist er aber nicht. Natürlich war auch mal Unzufriedenheit zu spüren, Anflüge von Verzweiflung. Aber so geht es doch allen, die sich selbst gegenüber ehrlich sind. Ob man dann aber auch ehrlich und vor allem mutig genug ist, sich gegenüber anderen Menschen zu öffnen ist ein ganz anderes Kapitel. Oft genug belügen wir uns sogar selbst. Und trotzdem denken wir, dass es da doch irgendetwas geben muss wofür es sich lohnt, am Leben zu bleiben. Die meisten von uns finden dann auch etwas oder warten zumindest darauf. Bis hierher scheint Hilfe noch möglich. Aber wie sieht es aus, wenn das Leben nur noch aus unerfüllten Wünschen und enttäuschten Erwartungen besteht, wenn die Maske, mit der man durchs Leben geht unerträglich wird? Es kommt ein Punkt, an dem man alle rettenden Strohhalme schon mal in der Hand hatte und Hoffnung nicht mal mehr ganz hinten am Horizont zu sehen ist. In solchen Momenten werden manchmal letzte Entscheidungen getroffen. Ich weiß nicht ob es so war oder ob es auch ein Unfall gewesen sein kann. Ich weiß nicht, was wir versäumt haben oder was hätte anders laufen können. Es ist wie es ist und auch jedes Mal anders. Behalten wir ihn und sein zu kurzes Leben in respektvoller Erinnerung. Möge er da oben den Roller fahren, den er sich immer gewünscht hat.

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