Antworten Sie lieber nicht

Ich bin schockiert! Schuld daran sind die in der letzten Ausgabe veröffentlichten Ergebnisse der Leserumfrage. Wer um Himmels willen wurde dort befragt?

Ich lese dort, dass die Zeit des Schmusekurses vorbei ist. Folgt nun die eiskalte Abrechnung? Und wenn ja, mit wem? Trifft es mich? Ich sehe dort, dass Sie gern Erfahrungen Betroffener lesen. Dieses Wort lässt mich gleich an landesweite Spendenaktionen für Flutopfer denken. Ich bin kein Betroffener, nur Sozialarbeiter. Darf ich weiterhin in diesem Blatt schreiben? Sie wollen Fakten und weniger Weichspüler, die knallharte Realität, kompromisslos und kalt. Künftig werden dann wohl andere Fotos in den Reiseberichten der Projekte zu sehen sein. Keine winkenden und in die Kamera lachenden Betroffenen sondern das nackte Grauen einer gnadenlosen Gruppenreise. Berichte aus den Projekten werden sich ab jetzt wie Anklageschriften lesen. Da ist von verhörähnlichen Einzelgesprächen die Rede, blutende Finger nach stundenlangem Töpfern werden wirkungsvoll ins Bild gesetzt und die zwangsweise Verabreichung warmer Mahlzeiten wird entschieden angeprangert. Die unter der Rubrik „Behördendschungel“ vermittelten Fakten werden eine Woche nach ihrem Erscheinen in einer Prüfung bei den Lesern abgefragt. Wer durchfällt, muss innerhalb von fünf Werktagen einen Antrag auf Einrichtungsbeihilfe durchpeitschen und dazu einen Betroffenenbericht abliefern. Wie gesagt, der Schmusekurs… Über Form und Inhalt der Berichte aus den Selbsthilfegruppen zu spekulieren steht mir nicht an, gespannt bin ich natürlich schon. Übrigens haben drei Leser angeboten sich für die neue BlauPause zu engagieren. Herzlich willkommen und haut rein.

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