Bitte lächeln

Lächeln Sie doch mal! Diese rüde Forderung schallt einem entgegen, wenn man sich mit dem Phänomen der Körpersprache beschäftigt.

Netter ausgedrückt: ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte! Wer schon von Natur aus eher weniger spricht und auch nicht als debiler Dauergrinser durchs Leben läuft, hat schon mal schlechte Karten. Es heißt, 95% des ersten Eindrucks würden von Haltung, Gestik und Mimik bestimmt. „Ein Mann ein Wort“ gilt schon lange nicht mehr. Die Einschätzung einer Person geschieht in weniger als einer Sekunde und was will man in dieser Zeit schon groß sagen? Unser Körper verrät uns und unsere Gefühle. Da diese Botschaften oftmals unbewusst versendet werden, sind sie kaum kontrollier- und steuerbar und werden daher als echter angesehen als das gesprochene Wort. So weit die Theorie. Allerdings sind Zweifel und Misstrauen angebracht. Ich kenne kein Paar, welches seit 30 Jahren zusammenlebt, nur weil der eine die Beine so anmutig übereinander schlägt. Die Freundlichkeit eines Arbeitskollegen zeigt sich nicht darin, dass er mir jeden Tag seine geöffneten Handflächen entgegen streckt. Wirklich eindeutige Körpersignale gibt es wenige. Ein Tritt ans Knie ist eine Botschaft, mit der man erst mal was anfangen kann. Ein inniger Kuss auch. Intensiver Augenkontakt kann in einer Liebesbeziehung sehr angenehm sein, in einer Verhörsituation bekommt die Angelegenheit jedoch eine ganz andere Bedeutung. Mal zwischendurch den Blick abzuwenden ist einfach menschlich und sympathischer. Körperhaltung hängt nun mal auch oft mit den körperlichen Voraussetzungen zusammen. Wenn die Bandscheibe schmerzt, fällt es eben schwerer, die Brust rauszudrücken, obwohl man sich sicher fühlt und nicht an mangelndem Selbstbewusstsein leidet. Der angebotene Stuhl bei einem Bewerbungsgespräch ist regelmäßig unbequem. Versuchen Sie mal, da über längere Zeit entspannt zu bleiben. Der Händedruck scheint da noch am ehesten geeignet, Rückschlüsse auf die drückende Person zu ziehen. Es gibt da die Quetscher, die darauf aus zu sein scheinen, einem die Hand brechen zu wollen. Nasse Hände sind oft ein Zeichen für Angsthasen oder Entzug. Wer jeden Händedruck verweigert macht sich zumindest in Deutschland schon mal verdächtig. Was ich sagen will? Das Leben besteht aus mehr als einem ersten Eindruck. Geben Sie ihrem Gegenüber mehr Zeit als eine Sekunde. Zwingen Sie ihn nicht, eine Rolle zu spielen, indem sie alle Körpersignale bedenkenlos interpretieren. Manchmal sind tausend Worte mindestens genauso wichtig wie ein Lächeln. Das kommt dann von ganz allein.

 

Axel Hentschel

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