Frühbucher

Will jemand wissen, was mich neuerdings jeden Morgen aus dem Bett treibt? Ist es der hereinbrechende Frühling mit seinem

mit seinem lautstarken Gesang der frühen Vögel, sind es die ersten Strahlen der Morgensonne oder doch nur unbändiger Harndrang? Was treibt mich an im Herbst meines Lebens? Wie bei so vielen geschah es während des Besuchs einer Messe. Ich weiß nicht mehr so genau, warum ich eigentlich dort war, aber danach war mir klar: Ich Trete Bei.

Nun ist es aber keine Partei und auch kein Sportverein geworden. Und nein, ich bin immer noch in keiner Selbsthilfegruppe.

Ich bin einer Massenbewegung beigetreten, welche unabhängig von allen politischen Strömungen, Geschlechterkämpfen und Essgewohnheiten ihre Anhänger findet. Ich bin ein Frühbucher geworden. In meinen jüngeren Jahren bin ich immer einfach losgefahren und auch immer irgendwo angekommen. Wenn mich jemand im Mai gefragt hat, wo es denn im Sommerurlaub hingeht, konnte ich nur mit den Schultern zucken.

Auf der Messe hatte ich den Eindruck, dass manche Länder offenbar erst erfunden wurden, nachdem genug Frühbuchungen eingegangen waren. Dänemark zum Beispiel oder Mecklenburg-Vorpommern. Inzwischen kommt man für den sprichwörtlichen Apfel und das Ei preiswert in die absurdesten Gegenden der Welt, vorausgesetzt man bucht früh genug. Man braucht dafür natürlich ein gewisses Grundvertrauen in die eigene Lebenserwartung. Ganze Firmenabteilungen sind inzwischen mit der Urlaubsplanung ihrer Belegschaft für die nächsten 12 Jahre beschäftigt.

Inzwischen habe ich das Internetz ausgeworfen und fische Tag und Nacht saftige Frühbucherrabatte. In sieben Jahren mache ich eine Kreuzfahrt, wenn ich bis dahin vier Kinder habe, zahlen die nichts. 2023 geht’s zum Skilaufen, vorausgesetzt der Gletscher steht noch. Und Silvester auf Hiddensee habe ich für die gesamte Gültigkeitsdauer des Gregorianischen Kalenders gebucht. Alles was ich jetzt noch brauche ist mehr Resturlaub.

 

Axel Hentschel

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