Datenschutz

Die sehr sehr dicke Frau steigt aus dem sehr sehr kleinen Auto. Danach steht die Frau ohne Oberbekleidung an einer Bushaltestelle und wartet.

Wer ist diese Frau und warum muss ich mir das ansehen? Wirke ich wie jemand, der außerhalb des heimischen Kellers lacht, steht auf meiner Stirn „Belästigt mich!“? Natürlich gab es auch früher schon Kollegen, aber es wird schlimmer. Heutzutage hat jeder so ein Telefon, das aber nicht mehr so heißen darf, weil kaum jemand jemals damit telefoniert. Diese Geräte verfügen über einen direkten Zugang zu einem schier unermesslichen Reservoir von Peinlichkeiten, Banalitäten und Schweinkram. Diese verbreiten sich wellenförmig und mit rasender Geschwindigkeit in der Gemeinschaft der smarten Phoner. Besonders hinterhältig ist die Ankündigung einer neuen Abscheulichkeit durch eine liebliche Blockflötenmelodie. Dabei habe ich dieses Instrument in meinen jungen Jahren gern und gut gespielt. Doch das ist vorbei. Ertönt jetzt die Flöte, rechne ich mit dem Schlimmsten. Peter guckt Porno und ein niedliches Tigerbaby pinkelt in eine Blumenvase. Ich brauche Datenschutz! Schutz vor den Daten der Anderen. So eine Art persönlicher Spamfilter wenn es ein einfaches „Bitte nicht“ nicht mehr bringt.


Axel Hentschel

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